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Starship Titanic/Raumschiff Titanic und der Mac

 

Die englische Mac-Version ist fertig, Sie können Sie online über unseren Shop kaufen. Tja, und Raumschiff Titanic für den Apple läßt noch auf sich warten....wir sind auch enttäuscht darüber, aber bevor Sie auf uns die Flammenwerfer loslassen, lesen Sie folgendes...

Douglas Adams ist bekennender Macianer und begeisterter Apple-User. Unsere Firma erfreut sich einer fruchtbaren Zusammenarbeit mit Apple. Bei der Entwicklung von Starship/Raumschiff Titanic spielten Macs eine wesentliche Rolle und wir haben beide Plattformen (zwar nicht unbedingt mit ihren ursprünglichen Betriebssystemen) jeweils nach Bedarf benutzt.

Warum wurde schon die englische PC-Version nicht gleichzeitig mit der Apple Version auf den Markt gebracht?

Wir hatten bereits einen regen E-mail-Fluß zu diesem Thema, vom höflichen Nachfragen bis hin zu Beschimpfungen und unschönen Auswüchsen. Die Argumente für unsere Vorgehensweise werden in Douglas' Antworten auf die folgenden E-mails gut zusammengefaßt.


>Das muß ja wohl das größte PR-Fiasko sein, seitdem
>die Blue Star Line eine ihrer Schaluppen im Atlantik
>verloren hat. Wie können Sie als AppleMaster es
>zulassen, daß Simon & Schuster Starship Titanic
>nur für Windows 95 herausbringen?
>Es ist einfach nicht zu glauben.
>
>Auch wenn die Mac-Version später nachgeschoben wird,
>ist das einfach nicht tragbar.
>Microsofts Release-Politik in Sachen Software ist ja
>Mac-freundlicher als so etwas.
>
>Um es mal gelinde zu sagen, legen Sie sich verdammt noch mal eine
>bessere Ausrede parat, Adams, andernfalls werden Sie
>sich beim Öffnen Ihrer E-mails Verbrennungen
>dritten Grades holen. (das ist keine Drohung, nur
>eine Vorhersage).

(der Name des Autors wurde auf dessen Wunsch entfernt)

Dies ist eine der unverschämtesten E-mails, die ich je bekommen habe und ich hoffe, dies ist nicht bezeichnend für die Art und Weise,wie Sie die Mac-Plattform predigen, denn so machen Sie sich eher Feinde als Freunde. Das ist einer der Gründe, warum Wintel User denken, daß es sich bei Mac-Usern nicht um normal denkende,intelligente Leute mit guten Argumenten handelt, sondern um fanatische Eiferer.

Wir standen vor einer ganz einfachen, harten Wahl. Das Spiel zuerst für den PC herausbringen oder es überhaupt nicht herausbringen. The Digital Village ist eine neue, noch kleine Firma, die das Geld von Investoren und Teilhabern zu einem extrem hohen Risiko ausgibt. Niemand würde ein solch komplexes und ambitioniertes Projekt finanzieren und dabei 90 % des Marktes ignorieren. Zufälligerweise weiß ich das, denn ich habe nachgefragt. Es war nicht möglich, beide Plattformen gleichzeitig zu veröffentlichen. Ich weiß das, denn das haben wir eine beträchtliche Zeit lang probiert. Die Kosten sind viel höher als ursprünglich geplant, der Zeitplan dehnt sich mehr und mehr, das wuchernde Datenbudget hätte uns beinahe den Rest gegeben, und das sogar nachdem wir uns damit abfinden mußten, die Mac-Version zu verschieben bis wir dafür die nötigen Ressourcen hatten. Wenn wir so reich wie Microsoft wären - wenn wir auch nur ein Millionstel von Microsofts Geld hätten- hätten wir ohne weiteres noch ein paar Leute anheuern können, uns mehr Zeit erkaufen und tun können, wonach das Herz begehrte. So wie die Sachlage aber nun mal ist, wird es erst möglich, in die Entwicklung der Mac-Version zu investieren, wenn der Verkauf der PC-Version Geld eingespielt hat. Hätten wir es andersrum gemacht, gäbe es jetzt kein Spiel, keine Firma, und die zig Leute, die sich für dieses Spiel zwei Jahre lang abgeschuftet haben, hätten keinen Job. Das natürlich nicht für sehr lange, sind nämlich alles erstklassige Leute, aber deren ganzer Einsatz, das Geld, die riesige Kraftanstrengung wären alle für die Katz gewesen.

Natürlich finde ich das höchst frustrierend. Wenn ich das Spiel, an dem ich die letzten zwei Jahre gearbeitet habe, selbst spielen will, muß ich in anderer Leute Büro gehen und deren PC benutzen. Ich habe eine Zillion Macs und keinen einzigen PC. Also, keiner wird sich mehr auf die Mac-Version freuen als ich. Es schmerzt und frustriert mich, zu sehen, daß Apples Marktanteil so gering ist und wir in die jetzige Situation geraten sind. Aber Apples Marktanteil auszubauen ist Apples Job, nicht meiner. Ich werde auch weiterhin meine Begeisterung für die Macintosh-Technologie laut und deutlich bekunden und alles tun, damit Leute diesen Enthusiasmus mit mir teilen werden. Aber ich werde nicht das Geld, die Energie und Existenz anderer Leute opfern um Apples Job zu erledigen. Hätte Apple selbst mehr Erfolg mit dieser Aufgabe gehabt, dann hätten wir jetzt nicht dieses Problem. Und lassen Sie mich auch mal folgendes direkt sagen, obwohl ich ein großer Fan der Apple-Technologie bin, frustriert mich die Firma selbst und macht mich recht traurig. Wenn Sie genau verstehen wollen, welche Chancen die Firma in den letzten Jahren vertan hat, wie sie sich fast systematisch von ihren Entwicklungsteams, ihren Vertreibern und ihren Benutzern in einer Mischung aus Arroganz, Geldgier und Inkompetenz entfremdet hat, dann wäre die Lektüre von Jim Carltons Buch gar nicht so schlecht, denn ich kenne Leute, die bei Apple arbeiten (oder genauer gesagt, arbeiteten), die sagen, das sei leider alles richtig. Für Leute wie uns, die Apple lieben, war das eine qualvolle Lektüre. Aber wenn sich jemand, den Sie mögen,in den eigenen Fuß schießt, zeigen Sie sich solidarisch indem Sie die Person von dem Unterfangen abbringen, nicht indem auch Sie sich selbst auch noch in den Fuß schießen.

Ich verstehe also Ihren Ärger, aber Sie täten besser daran, diesen auf die Leute zu lenken, die diese unmögliche Situation geschaffen haben, nicht diejenigen, die darunter leiden. Überhaupt täten Sie sich selbst einen Gefallen,wenn Sie sich besser informieren und Ihren Ärger an niemandem auslassen würden. Apple scheint so langsam wieder zu gesunden, mehr Entschlossenheit zu zeigen und eine klarere Zielrichtung. Wenn die Firma hierin Erfolg haben soll, braucht sie bessere Fürsprecher als Sie.

Douglas Adams


>Ich habe die Website von Starship Titanic besucht
>und ich habe das Spiel in meinem Computerladen gesehen.
>Ich habe nach einer Mac-Version gesucht, konnte aber
>keine finden. Ich weiß, daß Sie ein Mac-User sind,
>und ich war enttäuscht zu lesen, daß die
>Mac-Version "eventuell" nachfolgen wird, sobald die
>Windows-Version abgeschlossen ist.
>
>Ich bin mir der Marktauflagen bewußt, die Ihre
>Entscheidung beeinflußt haben.
>Ihre Marketingleute haben Ihnen warscheinlich dazu
>geraten. Ich verlange ja gar nicht, daß die
>Mac-Version zuerst auf den Markt kommt, nur daß
>die beiden Versionen gleichzeitig erscheinen.
>
>Denn entweder glaubt man an den Mac und
>unterstützt ihn, oder man gibt auf und es
>bleibt nur noch der Ausverkauf. Mir ist keine
>Unterstützung lieber als Schein-Unterstützung.
>Ich hatte mehr von Ihnen erwartet. Vielleicht
>hätte ich das nicht tun sollen.
>Ich bin noch immer ein Fan von Ihnen, und ich
>werde das Mac-Spiel kaufen, sobald es auf dem
>Markt ist.

>
>Danke,
>
>Alessandro Abate

Danke für Ihren Brief. Ich teile Ihre Enttäuschung und Frustration darüber, daß wir Apple- und PC-Version nicht gleichzeitig herausbringen konnten. Ich versichere Ihnen, daß es nicht bloß darum ging, daß Marketingleute uns dazu "geraten" hatten.

Es ging ums nackte Überleben. Zunächst hatten wir begonnen, das Spiel für die zwei Plattformen zu entwickeln. Wir hatten anfangs sogar mTropolis für das Game Authoring eingesetzt, das -wie Sie sicher wissen-ein Mac-Produkt ist, mit einer Runtime-Version für Windows. Nach und nach wurde klar, daß mTropolis v1.0 nicht geeignet war, und obwohl v2.0 versprochen wurde, konnten wir das Risiko nicht auf uns nehmen. Gott sei Dank, kann man jetzt nur sagen, mTropolis 2 kam erst vor ein paar Wochen heraus, mit 18 Monaten Verspätung und der Meldung, daß die Produktreihe nicht fortgesetzt würde. In der Zwischenzeit fingen wir an, unser eigenes maßgeschneidertes Authoring System zu entwickeln, es trägt den Namen Lifeboat (zu Deutsch "Rettungsring") und war ursprünglich Plattform-übergreifend gedacht.

Bei der Entwicklung dieses Spiels stießen wir auf riesige Probleme. Volumen, Komplexität und Ambition dieses Projektes drohten den durch Geld und Zeit begrenzten Rahmen zu sprengen. In beiden Bereichen gab es eine Kostenexplosion. Der einzige Weg, das Überleben von Projekt und Firma zu sichern,war, sich zunächst auf die Fertigstellung der PC- Version zu konzentrieren und dann auf die Mac-Version. Hätten wir irgend etwas anderes gemacht, gäbe es jetzt kein Spiel, keine Firma und einen riesigen finanziellen Verlust. Es gab also nichts Opportunistisches oder Zynisches an der Entscheidung, die PC-Version zuerst herauszubringen, es ging um das nackte Überleben. Ehrlich gesagt beruht Ihre Beurteilung, daß ich "ausverkauft" habe, auf falschen Informationen und ist verletzend, aber ich bin sicher, Sie haben Ihr Herz auf dem richtigen Fleck. Wenn Sie frustriert sind, versetzen Sie sich doch mal in meine Lage. Ich habe zwei Jahre an diesem Spiel gearbeitet und besitze keinen Rechner, auf dem ich es spielen könnte.

Beste Grüße

Douglas Adams